02.05.2006
Opus Dei - Mythos und Realität - John L. Allen
Aus der Tagespost Die Herrlichkeit Gottes wirkt wie Sauerteig in der WeltIn "Opus Dei. Mythos und Realität - Ein Blick hinter die Kulissen" gibt John L. Allen einen detaillierten Einblick in Spiritualität und Leben dieser katholischen Instituti von PETRA LEGRAND
Ich denke, ich kaufe das Buch.
Ich zitiere:
"Von Zeit zu Zeit steht das Opus Dei im Mittelpunkt kontroverser Auseinandersetzungen. In den Vereinigten Staaten ist seit Dan Browns "Sakrileg", in dem ein "Mönch" des Opus Dei die Schmutzarbeit für den Vatikan übernimmt, die Personalprälatur der katholischen Kirche in die Schlagzeilen geraten. So überschrieb das Magazin "Time" seine jüngste Titelgeschichte "The Opus Dei Code".
"John L. Allen, Vatikan-Korrespondent der katholischen Wochenzeitschrift "National Catholic Reporter" und Vatikan-Experte für CNN, reiste ein Jahr lang rund um den Globus, um sich mit Mitgliedern, ehemaligen Mitgliedern, Befürwortern und Kritikern des Opus Dei auseinanderzusetzen.
"Daraus ist das Buch "Opus Dei. Mythos und Realität - Ein Blick hinter die Kulissen" (Gütersloher Verlagshaus, 2006, 384 Seiten, EUR 24,95) entstanden. Damit seine tiefgreifende und im Großen und Ganzen für das Opus Dei positiv ausgefallene Analyse nicht als parteiisch gedeutet werden kann, betont der Autor seine Neutralität gleich zu Beginn: "Ich bin nicht jetzt, noch war ich jemals Mitglied des Opus Dei. Niemand in meiner Familie gehört dem Opus Dei an. Ich arbeite nicht für das Opus Dei, und ich bin weder finanziell noch beruflich vom Opus Dei abhängig."
"Allerdings genoss Allen einen uneingeschränkten Zugang zu den Einrichtungen und Dokumenten der katholischen Institution: "Tatsächlich war die Kooperation seitens des Opus Dei derart umfassend, dass zu einem gewissen Zeitpunkt ein älterer kirchlicher Beamter in Rom zu mir sagte, er habe den Eindruck, mir gegenüber vollführe die Organisation einen, globalen Striptease. Warum taten die Opus Dei-Leute das? Zunächst ist mein Eindruck, dass sie einfach viel weniger auf Geheimhaltung aus sind, als man allgemein glaubt." Bereits in diesem einführenden Statement wird der Autor dem Untertitel "Mythos und Realität" gerecht: John L. Allen räumt mit etlichen Legenden um das Opus Dei, etwa mit der für viele Menschen geradezu sprichwörtlich gewordenen Geheimhaltung, auf.
"Opus Dei. Mythos und Realität - Ein Blick hinter die Kulissen" besteht aus drei ganz unterschiedlichen Teilen:
"In den ersten etwa hundert Seiten gibt Autor Allen einen allgemeinen Überblick über das Opus Dei und seinen Gründer Josefmaria Escrivá. Gerade die Seiten über Escrivá gehören zu den ansprechendsten Abschnitten des Buches. Allen gelingt es, dem Leser eine überaus bekannte, in etlichen Biografien untersuchte Persönlichkeit nahe zu bringen. In einem zweiten Teil ("Das Opus Dei von innen") behandelt der Verfasser die vier Grundpfeiler der Opus-Dei-Spiritualität. Allen bleibt dabei freilich nicht bei einer theoretischen Erörterung stehen, sondern garniert jedes Unterkapitel mit "praktischen Beispielen" - im Gegensatz zum theoretischen Ansatz des kürzlich im Kölner Adamas-Verlag erschienenen Buchs des Schweizer Moralphilosophen Martin Rhonheimer "Verwandlung der Welt. Zur Aktualität des Opus Dei". Bei Allen kommen in diesem zweiten Abschnitt Opus-Dei-Mitglieder aus der ganzen Welt zur Sprache: von Walter und Norma Nakasone, die von japanischen Einwanderern stammend in Peru leben und dort eine Wäscherei betreiben, über den Londoner Busfahrer Jim Buridge oder den Chicagoer ehemaligen Banker John Hurt bis zur holländischen Geschäftsfrau Edna Kavanagh. Der Verfasser berichtet insbesondere aber auch von seinen Gesprächen mit Schülern aus Opus-Dei-Einrichtungen in den Vereinigten Staaten und in Afrika. Dadurch gibt Allen einen Überblick darüber, wie sich Menschen aus sehr unterschiedlichen Kulturkreisen und gesellschaftlichen Verhältnissen den "Herausforderungen" der Opus- Dei-Spiritualität in ihrem alltäglichen Leben stellen. Den weitaus größten Abschnitt mit knapp 300 Seiten nimmt in Allens Buch die Auseinandersetzung mit "problematischen Zügen am Opus Dei?" ein.
"Bezüglich der Mythen über die Finanzen des Opus Dei kommt der Verfasser zum Ergebnis, finanziell entspreche das Profil des Opus Dei einer mittelgroßen Diözese in den Vereinigten Staten. "Die finanziellen Aktivitäten des Opus Dei machen also einen wachsenden, aber relativ kleinen Anteil am Gesamtbild der Aktivitäten der katholischen Kirche in den USA aus."
"Die für viele Zeitgenossen furchteinflössende Bußpraxis einiger Opus Dei-Mitglieder relativiert John L. Allen etwa dadurch, dass er Heilige aus dem 20. Jahrhundert wie Mutter Teresa und Pater Pio zitiert, die ebenfalls diese Bußübungen praktiziert und empfohlen haben. Die im Buch abgedruckte Preisliste aus einem Kloster, "dessen Schwestern in Handarbeit Bußbänder und -geißeln für Kunden aus der ganzen Welt anfertigen", beweist, dass "das Opus Dei kein Patent" auf diese Bußwerkzeuge hat.
"Ein weiterer Schritt zur "Entmythologisierung" des Opus Dei liegt in der Frage nach der vielbeschworenen "Geheimhaltung". Ein Vergleich mit einem Säkularinstitut lässt die Öffentlichkeitspraxis des Opus Dei in einem anderen Licht erscheinen: "Weltweit gibt es über 200 Säkularinstitute mit fast 60 000 Mitgliedern; rund 80 Prozent der Mitglieder sind Frauen. Die meisten Katholiken dürften nie von ihnen gehört haben, und das weithin wegen ihrer ,Verschwiegenheit. Ihre Mitglieder sagen, es gehe ihnen nicht um Geheimhaltung, sondern darum, wie ein Spiegel die, Herrlichkeit Gottes zu brechen und in der heutigen Welt als, Sauerteig wirken zu können. Wenn das Opus Dei also in dem Sinn geheim ist, dass es nicht öffentlich bekannt gibt, wer zu ihm gehört, befindet es sich in guter Gesellschaft."
"Dass selbst ein so umfangreiches Werk nicht sämtliche kontrovers geführten Fragen beantworten kann, insbesondere wenn die unterschiedliche persönliche Wahrnehmung eine objektive Sicht beeinträchtigt, versteht sich von selbst: "Kritiker wie Befürworter beschreiben womöglich ein und dieselbe Realität, sehen sie aber aus ganz unterschiedlichen Perspektiven", schlussfolgert John L. Allen.
"Obwohl Allens scholastische Methode, Einwände vorzubringen, um sie dann zu entkräften, häufig ins Kleingewirkte abgleitet, was die Lesbarkeit seines Buches erschwert, dürfte "Opus Dei. Mythos und Realität" die bislang ausführlichste kritische Auseinandersetzung mit der katholischen Institution bieten, die zurzeit wieder einmal im Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion steht. Damit dürfte das Buch einen wichtigen Beitrag zu einer objektiveren Wahrnehmung und Wertung dieser Personalprälatur der katholischen Kirche leisten".
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17.04.2006
Interview mit John L. Allen über das Opus Dei
Gestern sagte ich: "Es sieht so aus, als ob wir uns mit dem Buch von John L. Allen beschäftigen müssten" (Supermacht des Bösen?).
Ich habe ein wenig gegoogelt und fand in einem philippinischen Blog ein Interview: Journalist John Allen on Opus Dei
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