01.06.2006

Predigt zum Film Sakrileg

Aus dem tollen Blog von Daniel Schröder Predigt zum Film “Sakrileg”


Predigt auf mp3

20.05.2006

Sakrileg - Historische Fakten? von Michael Hesemann

Dan Browns "Sakrileg", der Weltbestseller um unheimliche Verschwörungen und geheime Bruderschaften wurde verfilmt und läuft seit dieser Woche im Kino. Doch was steckt hinter den kruden antikirchlichen Behauptungen des Thrillers? Der Historiker und Fachautor Michael Hesemann geht ihnen auf den Grund.

Vor seiner Ermordung wollte Jacques Sauniere, Chefkurator des Louvre, offenbar auf ein verborgenes Geheimnis in den Werken Leonardo da Vincis hinweisen. Als Robert Langdon, Symbolforscher der berühmten Harvard-Universität, der Spur nachgeht, stößt er auf eine zweitausendjährige Verschwörung um die Blutlinie Jesu und den Heiligen Gral. Mit allen Mitteln versucht ein Geheimbund der katholischen Kirche, das geheimnisvolle Opus Dei, ihre Aufdeckung zu verhindern... Das ist, so scheint es, gründlich misslungen.

Mit über 48 Millionen verkauften Exemplaren wurde "Sakrileg", Dan Browns Thriller um solch unheimliche Verschwörungen und geheime Bruderschaften, zum erfolgreichsten Romans unserer Zeit. Seine Verfilmung hat am 17. Mai das diesjährige Filmfestival in Cannes eröffnet und läuft nun weltweit in den Kinos: ein Streifen mit einem Budget von 100 Millionen Dollar und Tom Hanks in der Hauptrolle. Das Kino-Ereignis des Sommers wird noch einmal die Diskussion um den Bestseller des Amerikaners anheizen.

Sein Kunstgriff war, geschickt Realität und Fiktion zu vermischen. "Sämtliche in diesem Roman erwähnten Werke der Kunst und Architektur und alle Dokumente sind wirklichkeits- beziehungsweise wahrheitsgetreu wiedergegeben", behauptet er unter der Überschrift "Fakten und Tatsachen". Doch ist Browns Anspruch, der Roman basiere auf historischen Fakten, auch haltbar?

Untersuchen wir die zwölf wichtigsten Thesen des Bestsellerautors:

1. "Die Prieuré de Sion, der Orden der Bruderschaft von Sion, wurde im Jahr 1099 ge gründet und ist eine Geheimgesellschaft, die bis heute existiert. Im Jahr 1975 wurden in der Pariser Nationalbibliothek Dokumente entdeckt, die unter der Bezeichnung Dossiers Secrets bekannt geworden sind und aus denen hervorgeht, dass eine Reihe berühm ter Männer der Prieuré angehörten, darunter Sir Isaac Newton, Sandro Boticelli, Victor Hugo und Leonardo da Vinci." (S. 11)

Tatsächlich existiert die "Priorei von Sion" - allerdings erst seit 1956. Gegründet hat sie der Franzose Pierre Plantard, ein verurteilter Betrüger und Hochstapler, der sich als der legitime Nachfolger der französischen Könige ausgab. Zum "Beweis" fabrizierte er vermeintliche "Abschriften" frei erfundener Dokumente, die er in diversen Archiven und Bibliotheken platzierte. So kreierte er auch eine Liste der angeblichen Großmeister seiner Geheimgesellschaft, um sich selbst an das Ende einer beeindruckenden Reihe zu stellen, als Nachfolger europäischer Geistesgrößen wie Newton oder Leonardo.

Damit lieferte er den Stoff für den 1982 veröffentlichten Sachbuch-Bestseller "Der heilige Gral und seine Erben" der Autoren Michael Baigent, Richard Leigh und Henry Lincoln, die Brown bereits des Plagiats bezichtigten. Auf sie verweist der "Sakrileg"-Autor mit einem Anagramm: der Erzschurke des Romans heißt bei ihm Sir Leigh Teabing.

2. Leonardo da Vinci war "ein ausschweifender Homosexueller und Verehrer der göttlichen Ordnung der Natur, was ihn zum notorischen Sünder gegen den Gott der katholischen Kirche gemacht hatte... Er glaubte sich im Besitz des alchemistischen Wissens, mit dem man Blei in Gold verwandeln... konnte". Er war von "gewaltiger Produktivität an atemberaubenden Gemälden mit religiösen Inhalten" und malte "Hunderte von lukrativen Auf tragswerken für den Vatikan... als Mittel zur Finanzierung seines aufwändigen Lebens stils". (S. 69/70)

Schon der amerikanische Titel des Buches, "The da Vinci-Code" enthüllt, dass Dan Brown kein Kenner der Kunstgeschichte ist. Denn der Künstler hieß "Leonardo"; "da Vinci" (ital.: "aus Vinci") war nicht etwa ein Familienname, sondern bezog sich auf sein Heimatdorf.

Über seine sexuelle Orientierung ist wenig bekannt, "ausschweifend" war sein Privatleben jedenfalls nicht, und als ungeheuer produktiv kann man ihn auch nicht bezeichnen. Nicht die gerade einmal siebzehn Gemälde, die er tatsächlich vollendete (davon dreizehn religiösen Inhalts), machen sein Schaffen aus, sondern Hunderte von Skizzen, die ihn als exzellenten Naturbeobachter und genialen technischen Konstrukteur ausweisen. Sein einziges(!) Auftragswerk für den Vatikan blieb unvollendet, stattdessen projektierte er im Auftrag von Papst Leo X. die Austrocknung der pontinischen Sümpfe.

Die Alchemie lehnte er als "Täuschung der dummen Massen" ab.

Sein kritischer, frei denkender Geist brachte ihn tatsächlich in Konflikt mit dem Glauben - doch nur, weil er die Naturwissenschaft über das Dogma stellte. Es gibt keinen einzigen Hinweis darauf, dass er einer Geheimgesellschaft angehört hätte.

3. Leonardos "Felsgrottenmadonna" belege seine "dunkle Seite"; Das Gemälde zeige, wie Johannes der Täufer den Jesusknaben segne, während die Madonna ihre Hand "mit unverkennbar drohender Gebärde über den Kopf des kleinen Johannes hält". Der Erzengel Uriel mache mit ausgestrecktem Zeigefinger "eine tranchierende Geste", als wolle er "dem von Marias klauenähnlicher Hand gepackten imaginären Kopf (des Jesusknaben) die Kehle durchschneiden."

Tatsächlich verwechselt Brown die beiden Kinder. Tauscht man sie aus, macht plötzlich wieder alles einen Sinn. Dann ist der Knabe, der anbetend kniet, Johannes der Täufer, der von Jesus gesegnet wird, während der ausgestreckte Zeigefinger Uriels seine zukünftige Enthauptung andeutet. Dabei legt Maria segnend ihre Hand auf sein imaginäres Haupt. Tatsächlich gibt es eine zweite Version des selben Motivs, in der die Zuweisung eindeutig ist: Denn jetzt hält der kniende Knabe auch noch den Johannesstab, das Attribut des Täufers!

Übrigens fertigte Leonardo das zweite Bild nicht an, weil seine Auftraggeber von einer Mailänder Bruderschaft "mit Entsetzen" auf das erste Werk reagierten, wie Brown behauptet, sondern weil ein Kunstliebhaber ihm einfach mehr Geld geboten hatte.

4. Leonardos Wandbild "Das letzte Abend mahl" enthülle die wahre Gralsgeschichte, zeige Maria Magdalena neben Christus. Zu sammen bildeten sie das "M" von "Matrimonium" = "Ehe". Zwischen Maria Magdalena und Christus prange ein "V" als Symbol des Weiblichen, des Grals. Auf dem Tisch fehle der Kelch, weil Jesu Gefährtin der wahre Gral sei. Petrus würde sie mit einer Geste bedrohen, als wolle er ihre Kehle durchschneiden, über der Tischkante erschiene zusammen hanglos eine Hand mit einem Messer. (S. 327-344)

Kunstgeschichtler können über diese Thesen nur schmunzeln. Schließlich stellt das Wandbild nicht die Einsetzung der Eucharistie dar (etwa Mt 26, 26-29), sondern die Ankündigung des Verrats (Joh 13, 21-25). Den Evangelien zufolge saß der Jünger Johannes "an der Seite Jesu" (Joh 13, 23). Da Jesus ihn mit "Sohn" anredete und überliefert ist, dass er erst im Jahre 101 starb, stellte man ihn schon lange vor Leonardo stets als bartlosen, langhaarigen Jüngling dar.

Im Evangelium fordert ihn Petrus auf, "er solle fragen, von wem Jesus spreche" (Joh 13,14) Dass sich Johannes zurücklehnt, um seine Frage zu hören, sich die Köpfe der Jünger berühren und die Hand des Petrus auf seiner Schulter ruht, deutet auf eine vertraute Nähe hin. Die Hand mit dem Messer gehört zu Petrus und kündigt an, dass der Apostel bei Jesu Verhaftung einem der Schergen ein Ohr abschlagen würde. Während die Jünger in Aufruhr scheinen, bildet Jesus, in sich ruhend, das Zentrum des Bildes. Wie jeder am Tisch hat er ein Glas mit Wein vor sich. Leonardos "Abendmahl" passt nahtlos in die lange Reihe von Versionen dieses Motivs aus der Hand von Künstlern des 15. und 16. Jahrhunderts, was auch für die Position und Darstellungsweise des Johannes gilt. Wäre der junge Mann zur Rechten Jesu nicht Johannes, müsste man Leonardo vorwerfen, ausgerechnet den Lieblingsjünger Jesu vergessen zu haben!

Auf einer alten Kopie des Werkes in Ponte Capriasca (Lugano) sind die Jünger jedoch sogar mit Namen gekennzeichnet.

Leonardos Wandbild schmückt übrigens den Speisesaal eines Mailänder Klosters - gewiss der falsche Ort, um der Welt das Geheimnis der Ehe Jesu zu offenbaren!

5. Der Heilige Gral hieße "in der ursprünglichen französischen Sprache" Sangreal (S. 224) oder "Sangraal". Der Begriff sei eine Metapher für das "göttlich Weibliche" (S. 227) und von "Sang Real", "Königliches Blut", abge leitet (S. 345). Fazit: "Christus und Maria Mag dalena müssen ein Kind gehabt haben." (S. 344) Sie war "der Kelch, der Christi könig liches Blut aufgefangen hat... sie war der Schoß, der den Stammhalter geboren hat". (S. 344) Aus dieser Vereinigung ging die Dynastie der Merowinger hervor, die "Paris gegründet" hätten. (S. 354)

Dabei ist "Grial" ein altspanisches Wort für ein Trinkgefäß. Seit dem 12. Jahrhundert wurde in einem Pyrenäen-Kloster ein Steinbecher als Abendmahlskelch Christi verehrt; heute befindet er sich in der Kathedrale von Valencia. Während in der ältesten Version der Gralssage, dem "Perceval" von Chretien de Troyes (um 1180), nur von einem "Graal" die Rede ist, der eindeutig als Trinkgefäß beschrieben wird, wurde er überhaupt erst im 15. Jahrhundert als "San Greal" bezeichnet.

Trotz der Popularität der Gralssage wurden seinetwegen nicht, wie Brown behauptet, "Kriege ausgelöst". Fragt der Autor weiter, weshalb keine andere Reliquie ein ähnliches Interesse hervorgerufen habe, liegt er wieder falsch.

Die Kreuzesreliquie, im Jahre 325 im Beisein der Kaiserin Helena entdeckt, fand viel größere Verehrung. Sie wurde im Kirchenkalender mit zwei Festtagen (3. Mai und 14. September) bedacht, um ihretwillen zog Kaiser Heraklius im 7. Jahrhundert gegen die Perser, sie war das höchste Heiligtum der Kreuzritter, wurde auf ihren Münzen und Siegeln dargestellt. Die Kirche hat in der Gralslegende stets nur ein Symbol für die Eucharistie gesehen - das "wahre Kreuz" aber wurde liturgisch verehrt!

Die ursprünglich heidnischen Merowinger waren die Königsfamilie der Franken, die erst im 5. Jahrhundert, während der Völkerwanderung, ihre germanische Heimat verließen und in Gallien einfielen. Eine Verbindung zum Haus Davids oder zu Jesus herzustellen ist geradezu absurd. Paris wird unter dem Namen "Lutetia" bereits in Cäsars "De bello gallico" (50 v. Chr.) erwähnt.

Es gibt keinen einzigen Hinweis darauf, dass Jesus verheiratet war. Während "Herrenverwandte", Cousins Jesu, bis ins 2. Jahrhundert die judenchristliche Gemeinde in Jerusalem leiteten, gibt es nicht das geringste Indiz für Nachkommen. Schließlich gab es auch im alten Judentum eine zölibatäre Lebensform, das so genannte "Nasiräat". Nasiräer erkannte man daran, dass sie sich weder das Haupthaar schnitten noch den Bart rasierten - ganz wie Jesus etwa auf dem Turiner Grabtuch erscheint.

Auch wenn Brown das Gegenteil behauptet, hat die Kirche nie versucht, die Existenz Maria Magdalenas zu vertuschen. Ihre Nähe zu Jesus wird in allen Evangelien hervorgehoben, ihr Name ganze neun Mal genannt: sie stand vor dem Kreuz, sie war die Erste, die das leere Grab entdeckte, zahllose Kirchen sind ihr geweiht!

6. Kaiser Konstantin der Große habe "den Übergang der Welt vom heidnisch-matriarchalischen Mutterkult zum patriarchalischen Christentum mit einem Propagandafeldzug ohnegleichen durchgedrückt... der das göttlich Weibliche dämonisiert(e) und die Göttinnen für immer aus der modernen Religionsausübung verdrängt(e)". (S. 174)

Durch das "Toleranzedikt von Mailand" aus dem Jahre 313 machte Konstantin der Große das Christentum zur "religio licita", also zu einer legalen, gleichberechtigten Religion neben den weiter bestehenden heidnischen Kulten im Römischen Reich. Damit endete die Jahrhunderte lange Christenverfolgung.

Obwohl es auch Mutterkulte (etwa den Isis- oder Kybelekult) im Reich gab, war weder die römische Gesellschaft noch die Staatsreligion matriarchalisch, sondern eindeutig patriarchalisch. Oberster Gott war Göttervater Jupiter. Nicht einmal in seiner tausendjährigen Geschichte wurde Rom von einer Frau regiert, und auch der Senat, das römische Parlament, bestand nur aus Männern, den "patres" (Vätern).

Das Christentum bekämpfte keineswegs die Muttergöttinnen - sondern ersetzte ihren Kult durch die Marienverehrung. So wurde die Frau nicht etwa dämonisiert, sondern zur Mittlerin zwischen den Menschen und Gott.

7. "Die katholische Inquisition hatte ein Buch veröffentlicht, das man vielleicht als das blutrünstigste Druckwerk der Menschheits geschichte bezeichnen könnte. Die vom Volksmund, Hexenhammer genannte lateinische Schrift, Malleus Maleficorum beschwor vor der Welt die, Gefahr durch freidenkerische Frauen herauf und leitete den Klerus an, wie diese gefährlichen Frauen ausfindig zu machen, durch Folter zum Verständnis zu bringen und anschließend unschädlich zu machen seien... In den drei Jahrhunderten der Hexenjagd hatte die Kirche die erschüt ternde Zahl von fünf Millionen Frauen auf den Scheiterhaufen gebracht und grausam verbrannt." (S. 174/5)

Nicht die Kirche und schon gar nicht die Inquisition hat den "Hexenhammer" veröffentlicht, sondern zwei übereifrige Dominikaner aus Deutschland. Die meisten Bischöfe, etwa der Bischof von Bozen, lehnten das Werk als "zelotisch und kindisch" ab.

Seit dem 7. Jahrhundert bekämpfte die Kirche nicht die Hexen, sondern den heidnisch-germanischen Volksglauben, dass es Hexen gäbe. Erst die beiden Dominikaner Sprenger und Institoris postulierten die Existenz einer "Hexensekte" und strengten Ketzerprozesse gegen die Beschuldigten an; ein fataler Unsinn, dem sich bald auch die Protestanten anschlossen.

Da im "Heiligen Römischen Reich" Ketzerei als todeswürdiges Majestätsverbrechen galt, wurden sie den weltlichen Justizbehörden übergeben. Weltliche Richter, nicht die Kirche, brachten verurteilte Ketzer/innen auf den Scheiterhaufen. Die Zahl von "fünf Millionen Frauen" ist dabei völlig aus der Luft gegriffen. Seriöse Forscher gehen von höchstens 30 000 Fällen aus.

Im katholischen Kernland Italien waren es nur ein paar Dutzend, in Irland kein einziger, in Spanien wurden sogar die Hexendenunziationen seit 1526 von der Inquisition aktiv bekämpft.

8. Weil sie den Kult der Muttergöttin wie derentdeckten, habe die Kirche den Orden der Templer zerschlagen: "Papst Klemens V. behauptete in seinem Schreiben, Gott sei ihm in einer Vision erschienen und habe ihm offenbart, die Tempelritter seien abtrünnige Ketzer und der Teufelsanbetung schuldig. (...) An jenem dreizehnten Oktober wurden zahl lose Tempelritter gefangen genommen, grau sam gefoltert und anschließend als Ketzer auf dem Scheiterhaufen verbrannt". (S. 223) Viele davon auch "in Rom ... ihre Überreste (wurden) in den Tiber geworfen." (S. 459) Die Templer hätten "die traditionelle Kreuzform des Grundrisses christlicher Kirchen schlicht weg ignoriert und eine kreisrunde Kirche zu Ehren der Sonne gebaut". (S. 460)

Das vermeintliche Schreiben des Papstes, auf das sich Brown beruft, ist frei erfunden. Tatsächlich hat Frankreichs bankrotter König Philipp IV. "der Schöne", der dem Orden große Summen schuldete, den Schlag gegen die Templer inszeniert und sie der Ketzerei bezichtigt.

Papst Clemens V. wurde von der Aktion völlig überrascht - und reagierte zwei Wochen später mit einem scharfen Protestschreiben: "Trotzdem habt Ihr dieses Attentat gegen die Personen und Güter von Männern begangen, die Uns unterstellt sind. In diesem überstürzten Vorgehen kann jedermann ein verwerfliches Verachten von Uns und der Kirche erkennen." Erst unter dem Druck des Königs, der ihn immerhin zuvor auf den Thron Petri gehievt hatte, gab der Papst nach, ließ die Templerprozesse zu und löste fünf Jahre später den Orden auf, was eher eine Kompromisslösung war (der König hatte seine offizielle Verdammung gefordert).

In Paris loderten 1314 die Scheiterhaufen - nicht aber in Rom, wo kein einziger Templer verurteilt wurde. Im Gegenteil: Mehrere italienische Bischöfe erklärten die Templer offiziell für unschuldig.

Die Kreuzesform von Kirchen setzte sich erst im Mittelalter durch; die frühesten Gotteshäuser waren dreischiffige Basiliken. Konstantin der Große ließ über dem Heiligen Grab in Jerusalem einen Kuppelbau in der Form altrömischer Kaisermausoleen errichten, der wiederum arabische Architekten beim Bau des Felsendoms inspirierte. Die Templer, die den Felsendom für den Tempel Salomons hielten, übernahmen diese Bauform (wie auch Karl der Große beim Bau des Aachener Doms).

9. Bis in die Zeit Konstantins des Großen sei "Jesus von seinen Anhängern als sterblicher Prophet betrachtet (worden), als... sterblicher Mensch. (...) Zum Sohn Gottes wurde Jesus erst nach einer entsprechenden Abstimmung auf dem Konzil von Nizäa erklärt", das der Kaiser 325 einberief. (S. 322/3) "Zur Untermauerung des Machtanspruches der römischen Staatskirche musste aus dem Menschen Jesus der Sohn Gottes gemacht werden." (S. 325)

Jesus wurde von den ersten Christen als Sohn Gottes verehrt. So lautet die zentrale Aussage des Johannesevangeliums, das irgendwann zwischen 65 und 100 n. Chr. verfasst wurde: "Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat." (Joh 3, 16) Der Apostel Thomas redete ihn nach der Auferstehung als "mein Herr und mein Gott!" (Joh 20, 28) an. An mehr als vierzig Stellen des Neuen Testamentes wird Jesus ausdrücklich als "Sohn Gottes" bezeichnet.

Alle frühchristlichen Autoren folgten diesem Glaubensbekenntnis, so auch der Philosoph Justin, der im Jahr 165 den Märtyrertod starb: "Er war Gott, Sohn des einzigen, ewigen Gottes." Die frühen Christen benutzten den Fisch (griech. "Ichthys") als Symbolcode für ihr zentrales Glaubensbekenntnis: Iesous Christos Theou Hyios Soter -"Jesus Christus (ist der) Sohn Gottes, (unser) Erlöser".

Auf dem Konzil von Nizäa wurde nur die Frage diskutiert, ob Jesus "eines Wesens mit dem Vater" oder ihm "wesensähnlich" sei; die Mehrheit der versammelten Bischöfe erklärte ihn für "wesensgleich".

Übrigens war Konstantin Christ, seit er im Jahre 312 eine Kreuzesvision hatte und eine Stimme hörte, die ihm versprach: "In diesem Zeichen wirst Du siegen!". Da mit der Taufe alle Sünden vergeben werden, war es damals durchaus üblich, damit bis zum Lebensende zu warten. So hielt es auch der Kaiser. 10. "Konstantin gab eine neue Evangeliensammlung in Auftrag, die er obendrein finanzierte... Die früheren Evangelien wurden geächtet, konfisziert und verbrannt." (S. 324) Dabei hätten "Tausende seiner Anhänger im ganzen Land" Jesu Leben aufgezeichnet, es einst "mehr als achtzig Evangelien" gegeben. (S. 320) Schließlichließ Jesus "als der Messias der Prophezeiung... Könige stürzen, führte Millionen Menschen zu einem neuen Aufbruch und begründete eine neue Weltanschauung."

Zwar stiftete Konstantin tatsächlich 50 Abschriften des Neuen Testamentes für 50 Kirchen, mit dem Evangelien-Kanon aber hatte er nichts zu tun; der stand bereits zu Anfang des 2. Jahrhunderts fest, wie wir von Papias (+ ca. 130), einem Schüler des Apostels Johannes, wissen. Auch die Kirchenväter Irenäus (135-202) und Tertullian (155-230) listeten die heute bekannten vier Evangelien auf, ebenso das "Muratorische Fragment" aus der Zeit um 180. Zahlreiche Evangelienfragmente aus dem 2. und 3. Jahrhundert bezeugen, dass es zur Zeit Kaiser Konstantins keinerlei Zensur gegeben hat; die Evangelien wurden wortgetreu überliefert. Erst nach Konstantin, nämlich zwischen 367 (Osterbrief des Athanasius) und 419 (2. Konzil von Karthago), legte man fest, welche Bücher zur Bibel gehören sollten.

Auf diverse Briefe früher Päpste, die ursprünglich Teil des Kanons waren, wurde damals verzichtet. Dass "Tausende" Jesu Leben aufgezeichnet haben sollen, ist schamlose Fiktion. Selbst die vier Evangelien entstanden nicht zu seinen Lebzeiten, sondern im 1. Jahrhundert nach seiner Auferstehung. Auch die Zahl von "achtzig Evangelien" ist frei erfunden.

Im 2. und 3. Jahrhundert kam es bei diversen gnostischen Sekten, meist in Ägypten, in Mode, die eigenen Lehren durch frei erfundene "Evangelien" zu "untermauern". Diese Pseudo-Evangelien zeichnen sich durch allerlei Abstrusitäten (im "Petrus-Evangelium" etwa schreitet das Kreuz aus dem leeren Grab und verkündet die Auferstehung) und den völligen Mangel an historisch Greifbarem aus. Dass Jesus Könige stürzen ließ, ist eine ganz neue Erkenntnis Browns; selbst der einzige König seines Landes, Herodes Antipas, wurde nicht von ihm abgesetzt, sondern 39 n.Chr. vom römischen Kaiser Caligula.

Jesus selbst hatte ausdrücklich Pilatus gegenüber betont: "Mein Königtum ist nicht von dieser Welt." (Joh 18, 36) Wahrscheinlich hat er zu Tausenden, vielleicht auch Zehntausenden gepredigt, gewiss aber nicht zu "Millionen": Die Gesamtbevölkerung Palästinas westlich des Jordans wird für das 1. Jahrhundert auf eine Million geschätzt.

11. Dokumente, die "die wahre Grals geschichte erzählen", seien "im Jahre 1950" am Toten Meer entdeckt worden. "Natürlich hat der Vatikan... mit allen Mitteln versucht, die Veröffentlichung dieser Schriften zu ver hindern." (S. 324/5) Das gelte auch für die "koptischen Schriftrollen von Nag Hammadi" in Ägypten, in denen es um Maria Magdalena ging. Im "Evangelium des Philippus" würde sie als "Gefährtin des Erlösers" bezeichnet, was so viel wie Ehefrau hieße, im "Evangelium der Maria Magdalena" sei von der Rivalität zwischen ihr und dem "Macho" Petrus die Rede. (S. 339-342)

Die Schriftrollen vom Toten Meer wurden vor 1947 entdeckt und stammen zu 99 Prozent aus dem 2.-1. vorchristlichen Jahrhundert. Ihre wissenschaftliche Edition wurde zuerst von der jordanischen, seit 1967 von der israelischen Altertümerverwaltung beaufsichtigt.

Der Vatikan hatte damit nichts zu tun. Sämtliche vollständig erhaltenen Rollen waren bereits 1958 veröffentlicht. Einzig die Zuweisung zahlloser, oft nur briefmarkengroßer Fragmente hat damals, im Vor-Computer-Zeitalter, Jahrzehnte gedauert. Daraus machten die Sensationsautoren Baigent/Leigh, die auch die Vorlage zu "Sakrileg" lieferten, einen Skandal.

In Nag Hammadi wurden keine "koptischen Schriftrollen" gefunden, sondern griechischsprachige Codices, die Vorläufer unserer Bücher, mit gnostischen "Evangelien" aus dem 3. Jahrhundert. Auch sie wurden ohne Einwirkung des Vatikans vollständig publiziert. Die meisten Gnostiker lehnten alles Materielle als teuflisch ab, auch Sexualität und Fleischgenuss.

Einige Sekten bestritten die Kreuzigung, hielten Jesus für einen manifestierten Lichtengel, andere rühmten Judas dafür, den Herrn von der Last seines irdischen Leibes befreit zu haben. Eine geschlechtliche Verbindung Jesu zu einer Frau wäre für sie undenkbar gewesen und wird auch nirgendwo behauptet. Natürlich versuchten die Gnostiker, die im Widerspruch zur Kirche der Apostel standen, speziell Petrus, ihr Oberhaupt, in ein schlechtes Licht zu rücken.

Ihre Einstellung zu Frauen enthüllt eine weitere Nag Hammadi-Schrift, das "Thomas-Evangelium". Als Petrus darin Maria Magdalena abwies, weil sie eine Frau war, antwortete Jesus: "Ich werde aus ihr einen Mann machen, damit sie ein lebendiger Geist wird wie ihr Männer. Denn jede Frau, die sich zum Mann macht, wird in das Himmelreich eingehen." Das klingt wenig matriarchalisch!

12. Noch im alttestamentarischen Gottes namen "Jehova" habe sich das Geheimnis der "heiligen Hochzeit" verborgen. Er stünde für die "androgyne Vereinigung des männlichen Jah und des vorhebräischen Wortes für Eva, Hava".

Dass ausgerechnet das patriarchalische Judentum, das Frauen den Zugang zum Tempel ebenso wie das Studium der Thora verweigerte, für Browns These vereinnahmt wird, erstaunt.

Tatsächlich lautete der hebräische Gottesname keineswegs "Jehova" - das war ein Lesefehler aus dem Mittelalter -sondern JHWH, was wahrscheinlich "Jahwe" ausgesprochen wurde. Er setzt sich auch nicht aus "Jah" und "Havah" zusammen, sondern heißt so viel wie "Ich werde sein, der ich sein werde" - der Ewige!

Gott ist nach dem Zeugnis der Bibel weder Mann noch Frau und noch weniger ein kopulierendes Paar in "heiliger Hochzeit": "Gott ist Geist, und die ihn anbeten, die müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten." (Joh 4,24)

13. Das Opus Die sei eine "ultrakonservative katholische Sekte": "Die Organisation ist in jüngster Zeit durch Medienberichte über Gehirnwäsche, Zwangsausübung und die gesundheitsgefährdende Praxis der Selbstkasteiung ins Zentrum kontroverser Diskussionen geraten." (S. 11) In Opus Dei-Häusern gäbe es getrennte Eingänge für Männer und Frauen, die Frauen müssten unentgeltlich die Häuser der Männer putzen. Seinen Status einer "päpstlichen" oder "vatikanischen Prälatur" habe sich das O.D. erkauft. Im Roman sendet es den hünenhaften Albino-Mönch Silas aus, um die Träger des verbotenen Wissens zu töten.

Tatsächlich bescheinigte Papst Benedikt XVI. dem Opus Dei eine "überraschende Verbindung zwischen einer absoluten Treue zur großen Tradition der Kirche, zu ihrem Glauben, in entwaffnender Einfachheit, und einer bedingungslosen Öffnung gegenüber allen Herausforderungen dieser Welt."

Eine "Sekte" kann es also nicht sein, denn eine "Sekte" ist (von lat. "sectare") stets eine Abspaltung. Das Opus Dei lebt aber in Einheit mit der katholischen Kirche und erfreut sich selbst in höchsten Kirchenkreisen großer Wertschätzung.

Wahr ist, dass das Werk von seinen Mitgliedern Gehorsam verlangt, aber diese Regel gilt auch in Ordensgemeinschaften. Einen Zwang gibt es nicht. Auch was die Rolle der Frauen betrifft, irrt der Roman. Tatsächlich ist das O.D. wie die ganze Kirche "von der gleichen Würde von Mann und Frau überzeugt". Daher wirken Frauen der Gemeinschaft in allen Berufen. Wer tatsächlich die Häuser der Werkes betreut, wird dafür angemessen entlohnt. Getrennte Eingänge für Männer und Frauen, wie Brown behauptet, gibt es auch beim Opus Dei nicht.

Das Opus Dei ist eine Personalprälatur, ein Bistum ohne Land, was eine Organisationsform der katholischen Kirche, aber kein Privileg darstellt. Es untersteht damit nicht direkter dem Papst oder dem Vatikan als jedes andere Bistum, auch wenn Brown dies zu glauben scheint.

Das Opus Dei ist auch kein Orden. Opus Dei-Mönche, die Kutten tragen, existieren nur in der Phantasie des Autors.

Vielleicht ist das wirkliche Geheimnis des da Vinci-Codes, wie so viele Menschen ein so schlecht recherchiertes Buch überhaupt ernst nehmen konnten. Vielleicht wirkt es wie eine Droge, lenkt das rasante Tempo des Romans, die atemlose Spannung, die er erzeugt, vom Denken ab.

Vielleicht schrieb Brown aber auch nur das, was alle hören wollten - eine populäre Mischung aus Sex and Crime, Kirchenskepsis und Verschwörungstheorien, Menschheitsrätseln und Mysterienbünden, Mystik und Sexualmagie, Feminismus und Fetischismus.

Das ein solch giftgrüner Cocktail einmal in Mode kommen würde, wurde wirklich in der Bibel prophezeit. Nicht in einem Code, sondern in den klaren Worten des zweiten Paulusbriefes an Timotheus. Oder klingt es etwa nicht ganz nach dem Hype um "Sakrileg", wenn es dort heißt: "Denn es wird eine Zeit sein, da sie die gesunde Lehre nicht ertragen, sondern nach ihren eigenen Begierden sich selbst Lehrer aufhäufen werden, wenn es ihnen in den Ohren kitzelt und sie werden die Ohren von der Wahrheit abkehren und sich zu den Fabeln hinwenden." (2 Tim. 4, 3-4)?

Jedenfalls scheint auf "Sakrileg" zuzutreffen, was der sterbende Louvre-Kurator Jacques Sauniere noch quer über das Gesicht der Mona Lisa schrieb: "So Dark the Con Of Man". "Ein dunkles Kapitel ist der Betrug an der Menschheit"!

Autor: VON MICHAEL HESEMANN

15.05.2006

Interview mit dem würzburger Professor und Bibelexperte Bernhard Heininger

Aus Kath.net

Ein hoch interessantes Interview mit Bernhard Heininger

'Wer die Fakten kennt, kann nur lachen'

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POW: Herr Professor Heininger, was steckt hinter dem Erfolg von Sakrileg?

Professor Heininger: Schon der Name Dan Brown ist ein Publikumsmagnet. Der Autor hat mehrere erfolgreiche Thriller geschrieben. Dann ist es sicher auch der Stoff, der interessant ist für breitere Bevölkerungsschichten: Die Kirche kommt vor und wird - wie in diesem Genre fast schon üblich - kritisch gesehen. Weiter finden sich Dinge, um die sich sowieso Gerüchte ranken - wie Opus Dei. Und nicht zuletzt elektrisiert die Massen sicher die Tatsache, dass Jesus eine Beziehung mit Maria Magdalena angedichtet wird. Dann wird noch unterstellt, die Kirche verschweige diese grundlegende Wahrheit und erst Dan Brown enthülle dieses Geheimnis. All das trägt in der Summe zum Erfolg dieses Romans bei. Ganz abgesehen davon, dass sich Thriller einer bestimmten Güteklasse ohnehin relativ gut verkaufen. Wenn ein solches Buch in den einschlägigen Magazinen besprochen wird und die entsprechenden Stichworte fallen, dann ist das allemal ein Kaufanreiz. Das ist auch in der Sachliteratur häufig ganz ähnlich: Ob das Buch inhaltlich etwas taugt, ist nebensächlich, solange der Titel reißerisch genug ist.

POW: Wo liegt denn für eine an sich säkulare Gesellschaft der Reiz eines religiösen Themas, wie es Sakrileg behandelt?

Heininger: Die Gesellschaft ist von Dingen, die ihr fremd sind, immer fasziniert, besonders, wenn sich darum auch noch Mysterien ranken. Da möchten die Leute hineinschnuppern. Selbst die kanonischen Evangelien sind - wie ich glaube - der säkularen Gesellschaft in der Breite nicht mehr geläufig. Das macht anfällig dafür, Romanwahrheiten als authentisch zu betrachten.

POW: Einer der letzten großen Buch- und Kinoerfolge mit einem religösen Thema war Umberto Ecos "Der Name der Rose". Wo sehen sie den grundlegenden Unterschied zu Sakrileg?

Heininger: Umberto Eco hat wesentlich gründlicher recherchiert. Bei Brown ist der Anteil des Fiktionalen sehr hoch. Eco dagegen hat sich präzise mit dem Mittelalter und seinen theologischen Auseinandersetzungen beschäftigt und liefert ein authentischeres Bild. Dennoch bleibt ein Roman ein Roman. Ecos "Name der Rose" wirkt aufgrund der sauber recherchierten und in das fiktionale Genre eingebauten historischen Versatzstücke glaubwürdiger.

POW: Der Kernpunkt bei Sakrileg ist die Behauptung, dass Jesus mit Maria Magdalena Nachkommen hatte. Wie sind diese Aussagen aus der historisch-kritischen Jesus-Forschung zu bewerten?

Heininger: Es handelt sich um ein reines Fantasieprodukt. Neutestamentlich ist da ohnehin nichts zu holen, wenn man von dem Umstand absieht, dass Maria Magdalena an gewissen Stellen im Neuen Testament eine zentrale Rolle spielt: Sie ist Zeugin der Kreuzigung Jesus und seines Begräbnisses. Auch bei der Auffindung des leeren Grabs ist sie präsent. Insgesamt gibt das Neue Testament nicht so viele Informationen über Maria Magdalena her: Sie stammt aus einem Ort, der für seine Fischverarbeitung bekannt war; bei Lukas wird noch erwähnt, dass Maria Magdalena von sieben Dämonen geheilt wurde und fortan mit Jesus, den Zwölfen und noch anderen Frauen durch Galiläa zog. Im Johannes-Evangelium spielt sie im 20. Kapitel eine sehr prominente Rolle als erste Osterzeugin. Über die Darstellung bei Markus hinaus wird sie bei Johannes einer Erscheinung des Auferstandenen gewürdigt und bekommt auch einen Verkündigungsauftrag. Viel mehr erfahren wir über Maria Magdalena in den Evangelien nicht. Und ob die Stelle bei Johannes ausreicht, um eine Beziehung zu konstruieren, möchte ich doch in Frage stellen. Ich halte das für reine Spekulation oder Fantasie.

POW: Wie gesichert darf denn der Tod Jesu gelten? Im seinem Buch zieht Dan Brown unter anderem auch einem Kreuzestod Jesu in Zweifel.

Heininger: Das ist Unsinn. Es gibt kein historisch sichereres Faktum im Neuen Testament als den Kreuzestod Jesu. Denn dafür finden sich auch außerbiblische Belege: bei dem römischen Historiker Tacitus, bei dem jüdischen Schriftsteller Flavius Josephus. Dessen Zeugnis ist zwar umstritten, weil es wahrscheinlich christlich überarbeitet wurde. Am Faktum des Todes Jesu ändert das aber nichts. Tacitus ist ganz sicher kein Christ gewesen und spielt explizit darauf an, dass Jesus unter Pontius Pilatus gekreuzigt worden ist.

POW: Woher stammt die Überlieferung, dass Jesus die Kreuzigung überlebt habe?

Heininger: Diese Tradition verdanken wir dem Umstand, dass apokryphe Texte, also Texte, die nicht in die Bibel aufgenommen wurden, herangezogen werden. Einige davon berichten von einem Weiterleben Jesu beziehungsweise davon, dass nicht Jesus, sondern zum Beispiel Simon von Cyrene an seiner Stelle gekreuzigt wurde. Der Denkfehler liegt darin, dass solche Quellen in der Regel nicht vom irdischen Jesus, sondern von einem himmlischen Geistwesen sprechen. Das ist ein großer Unterschied. Und genau diese Fehldeutung erfährt auch immer wieder das Philippus-Evangelium, ein ebenfalls apokrypher Text.

POW: Genau diesen Text führt auch Dan Brown als Beleg für seine These an. Wie bewerten Sie als Bibelwissenschaftler die Beweiskraft dieser Quelle?

Heininger: Ein angebliches Liebesverhältnis zwischen Jesus und Maria Magdalena lässt sich - wenn überhaupt - nur anhand des Philippus-Evangeliums konstruieren. In vielen anderen apokryphen Texten kommt Maria Magdalena als Osterzeugin, dann an prominenter Stelle als Dialogpartnerin Jesu vor. Beim so genannten Evangelium der Maria wird Maria Magdalena als eine Art Lieblingsjüngerin dargestellt, die besondere Offenbarungen erhält. Das hat aber nichts mit einer Liebesbeziehung zu tun. Nur im Philippus-Evangelium ist an zwei Stellen davon die Rede, dass Maria Magdalena die Gefährtin Jesu sei, weil er sie mehr liebte als alle anderen Frauen und weil er sie auf den Mund küsste. Was viele übersehen: Dieser Text ist ungefähr auf das Ende des zweiten oder den Anfang des dritten Jahrhunderts zu datieren. Er stammt aus dem Umfeld der Gnosis. Der Autor lässt offen, ob das Gespann Maria Magdalena und Jesus ein irdisches ist. Die valentinianische Gnosis, der das Philippus-Evangelium zugehört, stellt sich den Himmel nämlich voller so genannter Syzygien, Gespannen, vor, zum Beispiel von 30 Äonenpaaren. Eines davon besteht aus dem Erlöser und der Weisheit. Dem entspricht die Kombination Jesus und Maria Magdalena. Das ist der Denkrahmen. Ansonsten gibt das Philippus-Evangelium - im Gegensatz zu den biblischen Evangelien - nichts zum Leben Jesu her. Es enthält nur Aussprüche. Es muss schon sehr viel Fantasie aufgewandt werden, um hier eine Liebesbeziehung zu konstruieren. Kurz: Für mich ist das reine Spekulation. Das ist in einem Roman ein Stück weit erlaubt. Aber mit dem Anspruch, historisch recherchiert zu haben, darf Brown definitiv nicht auftreten. Das Philippus-Evangelium ist für die Erforschung des frühen Christentums ein wichtiger Text, aber für das Leben Jesu gibt er keine brauchbaren Anhaltspunkte.

POW: Dan Brown behauptet in "Sakrileg", Jesus selbst habe eine Chronik seines Lebens verfasst, und Maria Magdalena habe ein Tagebuch geschrieben. Sind die beiden Texte ihnen im Zuge ihrer Studien schon untergekommen?

Heininger: Beide Schriften sind mir nicht bekannt. Ich kenne lediglich das bereits erwähnte Evangelium der Maria, das ich aber ganz bestimmt nicht als Tagebuch bezeichnen würde. Das fände ich extrem kühn. Es handelt sich dabei um einen Text, der mit unseren Vorstellungen von einem Evangelium nur sehr wenig zu tun hat und in dem Maria im Dialog steht mit Jesus, Petrus, Andreas und Levi. Sie hat eine Vision und erhält Sonderoffenbarungen. Darüber spricht sie mit den Jüngern. Es geht darin letztlich um die Frage der Offenbarung. Was ist Offenbarung? Wer kann sie empfangen? Deswegen ist der Text wissenschaftlich bedeutsam.

POW: Es wird auch behauptet, Kaiser Konstantin habe aus 80 Evangelien die vier für die Bibel ausgewählt, die frei von der unbequemen "Wahrheit" von Jesus und Maria Magdalena sind. Hält diese Aussage der wissenschaftlichen Untersuchung stand?

Heininger: Der Prozess der Kanonisierung, also die Festlegung, welche Texte für den Gottesdienst und die Verkündigung genutzt werden, hat länger gedauert. Die vier Evangelien bildeten sich schon ab der Mitte des zweiten Jahrhunderts als kanonisch heraus. Ob die Zahl 80 stimmt, kann ich nicht bestätigen. Mir sind etwa 30 apokryphe Evangelien bekannt, wobei natürlich immer strittig ist, ob die Texte das Prädikat Evangelium überhaupt verdienen. Viele von ihnen sind nur sehr fragmentarisch erhalten.

POW: Wie neu ist der Vorgang, dass Jesu Leben, Worte und Handeln im Sinne von Eigeninteressen übermalt und verfälscht wird. Gibt es dieses Phänomen erst bei Dan Brown oder hat ein solches Vorgehen schon Tradition?

Heininger: Schon in der apokryphen Literatur des zweiten Jahrhunderts werden Jesus Worte in den Mund gelegt, die nicht von ihm stammen. Vielfach berufen sich die Autoren dafür auf eine Erscheinung des Auferstandenen. Dieser habe der vorhandenen Lehre wichtige Ergänzungen hinzugefügt. Es ist bei diesen Texten nicht auszuschließen, dass sich ein authentisches Jesuswort finden lässt, weil die vier Evangelien der Bibel sicher nicht alles enthalten, was Jesus gesagt hat. Hier gilt es, im Einzelfall sehr genau hinzusehen. Rund die Hälfte des Thomasevangeliums findet sich bei den Synoptikern, das heißt bei Markus, Matthäus und Lukas wieder. Die Wahrscheinlichkeit, zum historischen Jesus durchzustoßen, ist damit im Thomasevangelium, verglichen mit anderen Apokryphen, durchaus gegeben. Davon abgesehen spielen die apokryphen Evangelien aber in der historischen Jesusforschung so gut wie keine Rolle.

POW: Die italienische Zeitung "Avvenire" und die griechisch-orthodoxe Kirche rufen zum Boykott von Film und Buch auf.

Heininger: Ob solche Aufrufe etwas nützen, weiß ich nicht. Sicherlich gibt es eine Grenze des guten Geschmacks. Sollte diese im Film verletzt werden, dann ist ein Boykottaufruf überlegenswert. Ich habe das Buch gelesen und war eher enttäuscht. Olle Kamellen, die da wieder herangeschafft werden. Durch einen Boykott bekommen Buch und Film am Ende wahrscheinlich mehr Aufmerksamkeit, als sie verdienen. Theologisch und historisch ist an der Story nichts dran.

POW: Besteht Gefahr, dass jemand durch das Buch oder den Film vom Glauben abfällt?

Heininger: Wer einigermaßen informiert ist, weiß, dass diese Fantasien nicht neu sind. Wir sollten ganz gelassen damit umgehen. Der Roman hat mich als Theologen enttäuscht. Wer die Fakten kennt, kann über die Fiktion nur lachen. Um die absurden Aussagen zu widerlegen, wäre es hilfreich, sich einmal die entsprechenden Bibelstellen anzusehen. Vielleicht ist das auch eine Anfrage an die Kirche, wie biblisch mündig ihre Gläubigen sind.

10.05.2006

Antisemitismus - Sakrileg - Priorat von Zion oder Sion

Aus The Jewish Week von David Klinghoffer Why Jews Should Worry About ‘The Da Vinci Code’

Ich zitiere:

"Should non-Christians be concerned?

"Yes, we should. Jews in particular need to be aware of the gift Brown has given, in all innocence, to anti-Semites.

"As everyone knows by now, Brown uses a gripping suspense story set in the present to inform us that Jesus was married to Mary Magdalene and that he has descendants living in Europe today. Furthermore, the members of this surviving Jesus family have been protected for centuries by an altruistic secret organization, the Priory of Sion, which is locked in combat with a sinister, violent Catholic group, Opus Dei. The latter seeks to keep the secret of Jesus’ paternity from getting out. Behind Opus Dei stands the Catholic Church. For millennia, the church has perpetrated what the film calls “the biggest cover- up in human history.”

"Opus Dei, the real-life Catholic lay order, asked Sony to place a disclaimer at the beginning of the movie admitting that the story is fictional — a request the studio has so far refused. Brown himself states at the outset of the novel that his tale is grounded in “fact”: “The Priory of Sion — a European secret society founded in 1099 — is a real organization,” and so on.

"Scholars have done a solid job of pointing out the fictions that interweave Brown’s “facts.” Notably, the “Priory of Sion” is real only in the sense that it really is the modern invention of Pierre Plantard, a Frenchman with royalist and anti-Semitic views. It dates to the year 1956, not 1099. Plantard’s hoax merely took the name of a medieval monastic order that had ceased to exist by the 14th century and which had nothing to do with legends about Jesus fathering children.

"But why should a Jew care?

"Consider that the alleged conspiracy underlying the “biggest cover-up in human history” bears a remarkable resemblance to another phony conspiracy: the famous hoax called “The Protocols of the Elders of Zion.” Apparently authored by Russian monarchist and anti-Semite Mathieu Golovinski in 1898, “Protocols” tells of a secret society of Jewish elders that work to keep gentiles ignorant of a plot to rule the world through “Darwinism, Marxism and Nietzscheism.”

"In both conspiracy theories, an ancient world religion turns out to be a massive fraud perpetrated to gain or maintain power. In Brown’s version, the “Priory of Sion” (“Sion” simply means “Zion” in French) members are the good guys. They’ve been waiting for the right moment to reveal the secret about Jesus having children and to introduce the world to the worship of the “Goddess,” a.k.a. Mary Magdalene.

"Meanwhile the Catholic Church plots to suppress forever the truth about the “sacred feminine.” Opus Dei is willing to go to any lengths, including murder, to keep the male church hierarchy in power.

"Plantard (1920-2000), the French monarchist and anti-Semite who gave us the Priory of Sion, spent much of his life inventing minuscule esoteric organizations intended to “purify” France of the evil influences of modernity — and of Judaism. In 1940 he wrote of the “terrible Masonic and Jewish conspiracy” that threatened France.

"The Priory of Sion was one group he started. The point of this occult order was to advance Plantard’s claim to be the surviving heir to the ancient Merovingian line of French kings, whose “holy blood” was guarded by the Priory. The idea that the Merovingians were the descendants of Jesus and Mary Magdalene was added on later.

"Besides highlighting the word “Zion” or “Sion,” the two conspiracy theories share an understanding of how to deal with ideas you disagree with. Rather than taking traditional Christian beliefs at face value and arguing against them (as I do in my current book, by the way), Brown portrays the religion itself as resting upon a conscious deception. That excuses him from having to make arguments at all"...

Jesus und Maria Magdalena von Michael Kotsch

Direkt aus Bayern einen Artikel, den man nicht verpassen darf!

Aus dem Sonntagsblatt (evangelische Wochenzeitung) von Michael Kotsch Jesus und Maria Magdalena

Ich frage mich nur, ob die Bruder und Schwestern Jesu doch nicht seine Verwandte -also Vetter und Cousine- gewesen sind.

Wirklich lesen!!! Der Artikel ist lang, aber er liest sich flüssig.

06.05.2006

Bono über Jesus Christus

medium_bono.jpg


Salty dogma

Ich zitiere:

(..............) "The interviewer asks, Like what? "That's between me and God. But I'd be in big trouble if Karma was going to finally be my judge," says Bono. "It doesn't excuse my mistakes, but I'm holding out for Grace. I'm holding out that Jesus took my sins onto the Cross, because I know who I am, and I hope I don't have to depend on my own religiosity."

Then the interviewer marvels, "The Son of God who takes away the sins of the world. I wish I could believe in that."

"The point of the death of Christ is that Christ took on the sins of the world, so that what we put out did not come back to us, and that our sinful nature does not reap the obvious death," replies Bono. "It's not our own good works that get us through the gates of Heaven."

The interviewer marvels some more: "That's a great idea, no denying it. Such great hope is wonderful, even though it's close to lunacy, in my view. Christ has His rank among the world's great thinkers. But Son of God, isn't that farfetched?"

Bono comes back, "Look, the secular response to the Christ story always goes like this: He was a great prophet, obviously a very interesting guy, had a lot to say along the lines of other great prophets, be they Elijah, Muhammad, Buddha, or Confucius. But actually Christ doesn't allow you that. He doesn't let you off that hook. Christ says, No. I'm not saying I'm a teacher, don't call me teacher. I'm not saying I'm a prophet. I'm saying: 'I'm the Messiah.' I'm saying: 'I am God incarnate.' . . . So what you're left with is either Christ was who He said He was—the Messiah—or a complete nutcase. . . . The idea that the entire course of civilization for over half of the globe could have its fate changed and turned upside-down by a nutcase, for me that's farfetched."

What is most interesting in this exchange is the reaction of the interviewer, to whom Bono is, in effect, witnessing. This hip rock journalist starts by scorning what he thinks is Christianity. But it is as if he had never heard of grace, the atonement, the deity of Christ, the gospel. And he probably hadn't. But when he hears what Christianity is actually all about, he is amazed.

26.04.2006

Osterpredigt von Rowan Williams

Hallo!

Die komplette Osterpredigt Rowan Williams (siehe Über Sakrileg - Rowan Williams - Erzbischof von Canterbury) findet man hier:

Archbishop of Canterbury's sermon oder

Sermon for Easter Day

25.04.2006

Warum sind das Judas-Evangelium und Sakrileg im 21. Jahrhundert gut angekommen?

Warum das Judas-Evangelium, „Der Da Vinci Code“ und „Sakrileg“ im 21. Jahrhundert gut angekommen

Fakten statt Fiktionen : The Da Vinci Code - Criticism and Commentary

Fakten statt Fiktionen Sehr interessant!

16.04.2006

Unter dem Vorwand eines Thrillers will Dan Brown in seinem Roman Sakrileg die Grundfesten der Kirche erschüttern

Ist das wahr?

Heute möchte ich den Artikel aus der Tagespost Hasstiraden gegen die Kirche verlinken und einige Zeilen davon zitieren:


"'Sakrileg' ist nur vordergründig ein Thriller. Mit diesem Roman hat sich Dan Brown zum Ziel gesetzt, die „größte Verschleierungsaktion in der Geschichte der Menschheit“ zu enthüllen – „Jesus Christus war nicht nur verheiratet, er war auch der Vater eines Kindes“ –, um damit die „Grundfesten der Kirche zu erschüttern“. Bereits vor Beginn seines Romans bedankt sich der Autor bei seinem „Freund und Lektor Jason Kaufman, der „(...) von Anfang an begriffen hat, worum es in diesem Roman gehen soll“. Die Hasstiraden gegen die Kirche sind allgemeiner Tenor in Dan Browns „Roman“: „Sollen die Lügenmärchen der Kirche für alle Ewigkeit in unseren Geschichtsbüchern stehen? Soll die Kirche auf ewig mit Mord und Nötigung ihren Einfluss sichern können?“


"In der Form eines Thrillers geht es eigentlich in „Sakrileg“ um das „göttlich Weibliche“, einen in diesem Roman immer wiederkehrenden Ausdruck. Das Buch ist vom „Zorn über die Unterdrückung der Vorstellung vom göttlich Weiblichen durch die Kirche“ geprägt, ein Sujet, das aus der einschlägigen Literatur bekannt ist: Vor etwa einem Jahrzehnt thematisierte Marion Zimmer Bradley den Kampf zwischen den weiblich-zentrierten heidnischen Religionen und dem Christentum in „Die Nebel von Avalon“. Ließ Bradley diesen Kampf im historischen Kontext stattfinden – dem Eindringen des Christentums in Britannien zur Zeit des legendären Königs Arthus –, so verlegt ihn Brown in die Gegenwart. Als Schlüsselfigur im Widerstand des „göttlich Weiblichen“ im Laufe der Jahrhunderte benennt er die „Prieuré de Sion“, einen Geheimbund, der bis heute für die ununterbrochene Fortführung der uralten Traditionen der Verehrung des göttlich Weiblichen gesorgt habe. Denn, so Brown, die Kirche habe „die Welt betrogen, indem sie zugunsten des Männlichen verleumderische Unwahrheiten über das Weibliche verbreitet“ habe. Die „Prieuré de Sion“ habe das Geheimnis gehütet, „dass Christus Maria Magdalena zur Gemahlin genommen hatte, was der Grundlage der katholischen Lehre den Todesstoß versetzt hätte – der Doktrin vom göttlichen Messias, der nichts mit Frauen zu schaffen hatte ... oder gar sich mit einer Frau geschlechtlich vereinigt hätte“.


"Für diese „Verschleierungsaktion“ macht Brown Kaiser Konstantin den Großen verantwortlich: Die „Prieuré“ sei überzeugt, „dass Kaiser Konstantin und seine männlichen Nachfolger den Übergang der Welt vom heidnisch-matriarchalischen Mutterkult zum patriarchalischen Christentum mit einem Propagandafeldzug ohnegleichen durchgedrückt haben, der das göttlich Weibliche dämonisiert und die Göttinnen für immer aus der modernen Religionsaus-übung verdrängt hat.“ Nach Brown habe Konstantin eine neue Fassung der Evangelien in Auftrag gegeben: „In diese Sammlung durfte keine jener Darstellungen aufgenommen werden, in denen Jesus als Mensch gesehen wurde, während alles, was ihn in ein göttliches Licht rückte, besonders hervorzuheben war. Die früheren Evangelien wurden geächtet, konfisziert und verbrannt.“ Die Göttlichkeit Jesu sei das Ergebnis einer Abstimmung auf dem Konzil von Nizäa: „Bis dahin wurde Jesus von seinen Anhängern als sterblicher Prophet betrachtet, als ein großer und mächtiger Mensch, aber eben als Mensch – als sterblicher Mensch.“


"Die These, auf der der gesamte „Unterbau“ Browns beruht, steht jedoch in krassem Gegensatz zur wissenschaftlichen Forschung. Die genaue Datierung der Evangelien ist zwar nach wie vor umstritten, doch sind sich die Fachleute einig, dass sie lange vor Konstantin geschrieben wurden. Das belegen unter anderem Textfragmente, die mit den überlieferten Evangelien übereinstimmen. Browns Behauptung, die heutigen Evangelien seien erst im vierten Jahrhundert entstanden, entbehrt jeder Grundlage; den abenteuerlichen Hirngespinsten Dan Browns wird dadurch jeglicher Boden entzogen. Die zwei von ihm angeführten Stellen aus den so genannten „gnostischen Evangelien“ oder Apokryphen, in denen von Maria Magdalena als „Gefährtin des Erlösers“ die Rede ist, besitzen kaum Beweiskraft. Aus den apokryphen Evangelien lassen sich viele absonderliche Erzählungen zitierten, die zumeist in der Absicht geschrieben wurden, Jesus als Wundertäter erscheinen zu lassen – was natürlich Browns Ansichten über die „Erfindung“ von Christi Göttlichkeit unmittelbar zuwiderlaufen würde".

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