14.06.2006

Ägypten verbietet Sakrileg wegen angeblicher Blasphemie

Kairo (dpa) - Die Verfilmung des Dan-Brown-Bestsellers «The Da Vinci Code - Sakrileg» darf in ägyptischen Kinos nicht gezeigt werden. Kairoer Tageszeitungen berichteten am Mittwoch, auch das Buch dürfe in dem arabischen Land ab sofort nicht mehr verkauft werden, da es, Jesus Christus «beleidigt». Das habe Kulturminister Faruk Husni entschieden. Die Polizei habe in Buchhandlungen außerdem bereits 2000 Raubkopien des Films beschlagnahmt.

Die koptische Kirche in Ägypten hatte den Film als blasphemisch kritisiert. Aber auch aus muslimischen Kreisen war in den vergangenen Wochen Kritik an dem Werk zu hören gewesen. Für die Muslime ist Jesus Christus ein Prophet. Auch in Europa und einigen Staaten Südostasiens hatte es Proteste und Boykottaufrufe gegen den Film mit Tom Hanks in der Hauptrolle gegeben. In China wurde der Streifen nach zwei Wochen aus den Kinos verbannt. Auch christliche Geistliche in Europa hatten den Film kritisiert, weil Jesus darin mit Maria Magdalena eine Familie gründet.

dpa

09.06.2006

Sakrileg - Film, Theologie und Kunst in Potsdam

Ihr erinnert euch sicher an meine Vorankündigung vom 4. Juni Vortrag über Sakrileg - José García - Potsdam - Berlin

Die Märkische Allgemeine aus Potsdam hat einen Artikel von Lothar Krone veröffentlicht Cineastische Theologie im Kontext der Kunst

Ich zitiere:

(...)

"Die zum Teil haarsträubend dilettantisch zusammengepusselten Glieder der vorgeblichen Beweiskette haben trotzdem bei etlichen Buch- und Filmkonsumenten Spuren hinterlassen. So zitierte Garcia aus Umfragen in Frankreich, bei denen 25 Prozent der Leser von "Sakrileg" glauben, dass Jesus mit Maria Magdalena verheiratet war. Fast die Hälfte hatte nach der Lektüre kein "positives Bild der Kirche". Das ist insofern verwunderlich, weil bislang weder Historiker noch namhafte Kritiker Gefallen an dieser neuen Sicht der christlichen Historie gefunden haben. Die Wortmeldungen im Anschluss an den Vortrag zeigten dann die ungebrochene Glaubensfestigkeit der Diskutanten.

"Nur eine kämpferische Dame verwies auf neueste wissenschaftliche Erkenntnisse dreier hochgerühmter Professoren aus Amerika, die Dan Browns Thesen stützen würden. Alle ihre Einwände prallten aber am stets freundlich lächelnden Referenten und dem verdutzten Publikum unberücksichtigt ab. Als sie enttäuscht den Saal verließen, drehten sich die meisten Redebeiträge nur noch um die Frage, ob es sich denn überhaupt lohne, ein so offenkundig fehlerhaftes Produkt mit dieser großen Aufmerksamkeit zu versehen. Ein Optimist sah die Glut der waghalsigen Thesen vom verruchten Leben des Religionsstifters von der positiven Seite. "Es wird wieder über Jesus Christus gesprochen", lautete sein Fazit".

Da Vinci Code - Sakrileg - Film in China vom Markt genommen

Ein Beitrag von Tarsuin. Danke!

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Schock für die Filmindustrie: China nimmt Da Vinci Code vom Markt


Los Angeles - In einer überraschenden Kehrtwende hat die chinesische Regierung den umstrittenen Film The Di Vinci Code-Sakrileg aus den Kinos genommen. Das berichtet die Los Angeles Times in ihrer heutigen Ausgabe

China war das erste Land der Welt, in dem das Publikum den Film zu sehen bekam, sogar noch einige Stunden vor der offiziellen Premiere in Cannes, und das gleich in 400 Kinos auf einmal.


Nach Angaben von Sony Pictures hat die chinesische Regierung keine Begründung für ihre Entscheidung genannt. Bislang reine Spekulation sind daher Vermutungen, dies sei aus Rücksicht auf Proteste der – mit der katholischen Weltkirche nicht verbundenen – katholischen patriotischen Kirche Chinas geschehen, die zum Boykott des Films aufgerufen hatte.


Obgleich der Film in China immerhin brutto $13 Mio. eingespielt hat, dürfte dieser unerwartete Schritt in Hollywood einige Schockwellen ausgelöst haben, so die LA Times.

Tarsuin

07.06.2006

Sakrileg weiter Nr. 1 in Deutschland

Kino-Charts

05.06.2006

Sakrileg, der Roman, der Film und der Mythos einer Gegenkultur

Aus der World Socialist Website

The Da Vinci Code - Sakrileg: Der Roman, der Film und der Mythos einer "Gegenkultur"

04.06.2006

Vortrag über Sakrileg - José García - Potsdam - Berlin

Super! Mit Genehmigung des Autors darf ich diesen tollen Vortrag hier veröffentlichen.

Der Vortrag wird

1) am kommenden Dienstag, den 06.06.2006 um 19.30 Uhr in

DIE ARCHE Potsdam
"Pater-Bruns-Haus"
Am Bassin 2
14469 Potsdam


und

2) ARCHE: BERLIN am Mittwoch, den 07.06.2006 um 20.00 Uhr in

"Alfred-Kardinal-Bengsch-Kreis im Erzbistum Berlin"
Gemeindesaal der Pfarrei St. Bernhard
Königin-Luise-Str. 33
14195 Berlin


gehalten.

Alle eingeladen!

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Der Vortrag:

Mit einer Gesamtauflage von annährend 60 Millionen Exemplaren ist Dan Browns „The Da Vinci Code“ (auf deutsch unter dem Titel „Sakrileg“ erschienen) zu einem der meistgekauften Bücher überhaupt geworden.
Als mögliche Erklärung für diesen Verkaufserfolg wird die Mischung aus Kirchenkritik, Feminismus, Krimi, Verschwörungstheorie und Esoterik angegeben, die offenbar auf großes Interesse stößt. Die „Welt am Sonntag“ brachte es auf eine saloppe Formel: es sei „Alles Quatsch, aber clever verknüpft“.

Wenn der Inhalt von Dan Browns „Sakrileg“ beziehungsweise von dessen Verfilmung durch Ron Howard kritisch beleuchtet werden soll, lautet allerdings häufig der Einwand: „Warum die Aufregung? Es ist doch nur ein Roman“. Ein Roman jedoch, der Fakten und Fiktion geschickt miteinander mischt, nicht nur weil die Handlung an Originalschauplätzen spielt, sondern darüber hinaus: Erstens weil Dan Brown an der „Wahrheit“ seines nicht-fiktiven Bezugsrahmens festhält, erklärt er doch selbst: „Sämtliche in diesem Roman erwähnten Werke der Kunst und Architektur und alle Dokumente sind wirklichkeits- bzw. wahrheitsgetreu wiedergegeben“. Zweitens aber weil die Handlung von Roman und Film gerade darin besteht, den „größten Betrug in der Geschichte der Menschheit“ zu enthüllen.

Denn nur vordergründig geht es in „Sakrileg“ um die Aufklärung des Louvre-Direktors Jacques Saunière durch den Symbolforscher Robert Langdon und die Kryptologien Sophie Neveu. Die Ermittlungen ergeben, dass der Museumsdirektor von Kirchenmännern ermordet wurde. Vor seinem Tod kann er Langdon und Neveu auf die Fährte des in den Werken Leonardo da Vincis verborgenen Wissens hinweisen, dass darin besteht:

dass Jesus mit Maria Magdalena verheiratet gewesen sei und ein Kind gehabt habe. Dass er von seinen Anhänger für einen sterblichen Menschen gehalten und erst unter Kaiser Konstantin im vierten Jahrhundert zum Gott erklärt worden sei. Dass Konstantin frühere Aufzeichnungen über den wahren Jesus vernichten und durch gefälschte Evangelien habe ersetzen lassen. Dass dieses Geheimnis von einer geheimen Bruderschaft namens Prieuré de Sion seit 1099 gehütet werde, zu deren Mitglieder auch Leonardo da Vinci gehört habe, der sein Geheimwissen als eine Art „Code“ (daher der Originalname) in seinen Werken versteckt habe. Dass die Kirche bis heute nicht vor Mord und Totschlag zurückscheue, damit dieses Geheimnis nicht ans Tagelicht komme.

Meint Dan Brown einen historischen oder einen erfundenen Leonardo da Vinci? Eine historische oder eine erfundene Kirche? Eine historische oder eine erfundene Maria Magdalena? Und schließlich den historischen Jesus oder einen fiktiven – von ihm erdachten – Jesus?

Um die Brisanz einer solchen Vermengung zu verdeutlichen, stelle man sich kurz vor, was für einen Aufstand Dan Brown verursacht hätte, hätte der von ihm in seinem Roman enthüllte „größte Betrug in der Geschichte der Menschheit“ in der so genannten „Auschwitz-Lüge“ bestanden! Wäre dann die Antwort gewesen: „Keine Aufregung, es ist nur ein Roman bzw. ein Film? Oder hätte dies nicht vielmehr berechtigte Kritik ausgelöst? Dieser Vergleich zeigt: Trotz oder vielmehr gerade deshalb, weil Dan Browns „Thesen“ in ein Unterhaltungsmedium verpackt werden, fordern sie heraus, sich damit kritisch auseinanderzusetzen. Dass Dan Browns Roman die Meinung der Leser beeinflusst, wurde in Umfragen bestätigt: In Frankreich glauben rund 25 Prozent derjenigen, die das Buch selbst gelesen haben, die darin vertretene These, dass Maria Magdalena die Ehefrau von Jesus gewesen sei. Unter den Nichtlesern teilen nur 9 Prozent diese Ansicht. Ein „positives Bild der Kirche“ haben nur 54 Prozent der „Sakrileg“-Leser. Von denen, die das Buch nicht gelesen hatten, bezeugten hingegen 68 Prozent, der Kirche gegenüber positiv eingestellt zu sein. Auch in Großbritannien wurde eine Umfrage durchgeführt: Zwei Drittel der Briten, die den Roman gelesen haben, glauben, dass Jesus Christus und Maria Magdalena ein Kind hatten. Unter denen, die das Buch nicht gelesen haben, glauben nur 30 Prozent daran. 27 Prozent der Teilnehmer an der Meinungsumfrage gehen davon aus, dass die katholische Kirche Fakten aus dem Leben von Jesus Christus verheimlicht. Unter den Lesern des Buches ist diese Überzeugung noch stärker ausgeprägt: 36 Prozent der Befragten sind dieser Meinung. Deshalb scheint die Aussage des Erzbischofs von Canterbury, Rowan Williams, keineswegs übertrieben, Dan Browns Roman erwecke „den Eindruck, der christliche Glaube bestehe aus Verschwörungen und Vertuschungen“.

Eine ausführliche Auseinandersetzung mit den in „Sakrileg“ verbreiteten Thesen sprengt den Rahmen eines Vortrags. Eine gelungene Zusammenfassung bietet etwa Michael Hesemann, Historiker, Autor, Dokumentarfilmer und Fachjournalist für kirchengeschichtliche Themen, in der „Tagespost“ vom 20. Mai. Darin untersucht er 13 unterschiedliche Behauptungen Dan Browns – von der ominösen „Prieuré de Sion“ über Browns Aussagen über Leonardo da Vinci, Kaiser Konstantin, die Gralssuche, die Templer, die Hexenverbrennungen, die Schriftrollen in Qumran und Nag Hammadi bis zur Rolle des Opus Dei. Hier möchte ich zunächst lediglich zwei nicht unwesentliche Verfälschungen in Roman und Film behandeln, um mich dann der m. E. Kernfrage zu widmen: Woher nimmt Dan Brown sein Jesus-Bild? Woher wissen wir, dass unsere Kenntnisse über Jesus Christus mit der Wirklichkeit übereinstimmen?

Die Gemälde Leonardo da Vincis stellen in Buch und Roman das wichtigste Instrument der Erzählung dar. Nicht umsonst nennt Dan Brown seinen Roman im Original „The Da Vinci Code“. Nach Dan Brown habe Leonardo da Vinci von einer Heirat zwischen Jesus und Magdalena gewusst. Auf dieses Geheimwissen habe er auch versteckt (als Code) in seinen Werken hingewiesen. Frank Zöllner, Professor für Kunstgeschichte mit Schwerpunkt „Malerei und Skulptur Italiens des 14.–17. Jahrhunderts und Kunsttheorie“ an der Universität Leipzig sowie Autor einer 700 Seiten starken Monografie über Leonardo da Vinci, schreibt in der „Zeit“ vom 11. Mai in bezug auf die „Felsgrottenmadonna“, Dan Browns Beschreibung „verdeutlicht, dass man bei entsprechendem Vorsatz beliebige Dinge in ein Gemälde hineinfantasieren kann.“ Deutlicher wird Zöllner in seiner Behandlung eines zentralen Moments, der in der Verfilmung durch die Kraft der bewegten Bilder besonders eindrücklich inszeniert (und dem halbwegs kunsthistorisch Gebildeten vor Scham erröten lässt): Dan Brown legt Da Vincis „Das letzte Abendmahl“ als Beweis für seine Theorie einer Ehe zwischen Jesus und Magdalena aus: Die rechts von Jesus dargestellte Figur sein in Wirklichkeit nicht der Jünger Johannes, sondern Maria Magdalena, die Lücke zwischen beiden Figuren bilde ein V als Symbol für Weiblichkeit, im Zentrum des Bildes prangere „unübersehbar ein perfekt geformtes großes M“ (für „Matrimonium“, also „Ehe“). Dazu erläutert Kunsthistoriker Frank Zöllner: „Zum Verständnis einer Abendmahlsdarstellung benötigt man einige Grundkenntnisse theologischer und kunstgeschichtlicher Art, die Brown offenbar nicht besitzt. (...) Kunst des 15. Jahrhunderts war Auftragskunst, und wer ein Abendmahl bei einem Künstler bestellte, bekam ein Abendmahl, das heißt: zwölf Männer, die zusammen mit Jesus Christus an einem Tisch sitzen. Die künstlerische Freiheit hätte in keinem Fall ausgereicht, in einer Darstellung des Abendmahls plötzlich eine Maria Magdalena unterzubringen. Der feminin wirkende Johannes hingegen ist nicht ungewöhnlich, er wurde oft als besonders junger, bartloser und daher weiblich anmutender Typ dargestellt.“ Und Michael Hesemann ergänzt dazu: „Auf einer alten Kopie des Werkes in Ponte Capriasca (Lugano) sind die Jünger sogar mit Namen gekennzeichnet“.

Die Manipulation Leonardo da Vincis, die Dan Brown für seine Thesen vornimmt, setzt sich in der Aussage fort, Leonardo da Vinci sei Mitglied einer „Prieuré de Sion“ (deutsch etwa „Bruderschaft vom Berge Zion). Brown schreibt: „Die Prieuré de Sion, der Orden der Bruderschaft von Sion, wurde im Jahr 1099 gegründet und ist eine Geheimgesellschaft, die bis heute existiert. Im Jahr 1975 wurden in der Pariser Nationalbibliothek Dokumente entdeckt, die unter der Bezeichnung Dossiers Secrets bekannt geworden sind und aus denen hervorgeht, dass eine Reihe berühmter Männer der Prieuré angehörten, darunter Sir Isaac Newton, Sandro Boticelli, Victor Hugo und Leonardo da Vinci.“ Dass sich diese Aussage nicht aufrecht halten kann, wissen sogar die Filmemacher, die den Roman verfilmt haben. Im offiziell von Sony Pictures herausgegebenen Presseheft heißt es: „In seinem Roman ‚Sakrileg’ behauptet Autor Dan Brown, dass dieser Geheimbund tatsächlich existiert, angeblich gegründet 1099. Eine Dokumentensammlung in der Pariser Nationalbibliothek soll belegen, dass ihr berühmte Persönlichkeiten aus Literatur, Kunst und Naturwissenschaft angehörten. Die Dossiers wurden jedoch als clevere Fälschung enttarnt. Urheber war ein gewisser Pierre Plantard, der die Prieuré 1956 zusammen mit drei Freunden ‚gründete’“. Ein Hinweis, der sich so liest, als würde ein Verlag im Vorwort zu einem Buch schreiben, der Beweis für die darin behauptete Hauptthese des Autors sei eigentlich vorgetäuscht. Wenn die Prieuré erst Mitte des 20. Jahrhunderts „gegründet“ wurde, dann kann Leonardo diesem sogenannten Geheimbund nicht angehört haben.

Fassen wir also zusammen: Weder stellte Leonardo da Vinci in seinem „Letzten Abendmahl“ Maria Magdalena an der Seite Jesu dar, noch war er in dieses angebliche „Geheimnis“ eingeweiht, weil es den Geheimbund als Träger des Geheimnisses gar nicht gab. Ein „Da Vinci Code“ existiert also ganz und gar nicht!

Damit entbehren Dan Browns Aussagen jeglicher Grundlage. Eine weitere Beschäftigung mit Dan Browns Roman schiene also kaum der Rede wert, würde er nicht den gesamten christlichen Glauben in Frage stellen wollen (ausdrücklich sagt Brown, er wolle „die Grundfesten der Kirche erschüttern“), was in der Aussage gipfelt: „Bis zum Konzil von Nizäa wurde Jesus von seinen Anhängern als sterblicher Prophet betrachtet, als ein großer und mächtiger Mensch, aber eben als Mensch – ein sterblicher Mensch“. Brown will den Leser weismachen, ursprünglich hätten die Christen Jesus für einen der Propheten und für einen sterblichen Menschen gehalten. Erst der römische Kaiser Konstantin (+337) sei aus politischen Gründen am Glauben an die Gottheit Christi interessiert, weswegen er im Jahre 325 das Konzil von Nizäa einberufen habe, um Jesus dort offiziell als Gott verkünden zu lassen. Das Konzil habe mit knapper Mehrheit beschlossen, dass Jesus von nun an als der „Sohn Gottes“ anzusehen sei.

Um diese „Thesen“ zu untermauern muss Dan Brown die kanonischen Evangelien – Matthäus, Markus, Lukas und Johannes – für Fälschungen halten, wird Jesus an mehr als vierzig Stellen des Neuen Testamentes ausdrücklich als „Sohn Gottes“ bezeichnet. So lautet die zentrale Aussage im Johannes-Evangelium: „Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat.“ (Joh 3, 16). Stattdessen beruft sich Brown auf Schriften, die nicht in den Kanon des Neuen Testaments aufgenommen wurden. In diesen Schriften werde Jesus als bedeutender Lehrer und Prophet, jedoch als sterblicher Mensch angesehen. Konstantin habe zahlreiche Schriften, in denen Jesus als (verheirateter) Mensch angesehen wurde, verbrennen und ausschließlich die vier kanonischen Evangelien gelten lassen.

Den Kern der Konfrontation mit Browns Thesen bildet demnach die Auseinandersetzung mit der Glaubwürdigkeit des Neuen Testaments respektive der von Dan Brown angeführten (gnostischen) Schriften. Dies ist die Zielrichtung der auf deutsch kürzlich erschienenen Studie Darrell L. Bocks „Die Sakrileg -Verschwörung. Fakten und Hintergründe zum Roman von Dan Brown“, deren Originalausgabe lange Zeit auf der Bestsellerliste der New York Times stand. Darell L. Bock, der als Forschungsprofessor für neutestamentliche Studien am renommierten Dallas Theological Seminar wirkt und zurzeit an einer Buchpublikation über Rechtgläubigkeit und Ketzerei in der vorkonstantinischen Zeit arbeitet, ist wissenschaftlich bestens gerüstet, um auf Dan Browns Thesen zu antworten.

Als Zeugen für seine Thesen beruft Brown einen „gnostischen Schlüsseltext über einen Kuss zwischen Jesus und Maria Magdalena“. Im erst in der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts entstandenen, so genannten „Philippus-Evangelium“ heißt es, „Der Hei[land lieb]te [Ma]ria Mag[da]lena mehr als [alle] Jüng[er, und er] küss[te] sie [oft]mals auf ihren [Mund]“, wobei die eckigen Klammern die beschädigten Stellen im Manuskript sowie die von Forschern eingefügten Worte wiedergeben. „Kein ganz einfacher Kandidat also für eine Beweisführung!“, schlussfolgert der Verfasser.

Die eigentliche Frage ist nicht nur, zu welchem Zeitpunkt Matthäus, Markus, Lukas und Johannes, sondern insbesondere warum gerade diese vier und keine weiteren „Evangelien“ in den Kanon aufgenommen wurden. Dazu erläutert Bock: „Diese Evangelien waren die Erinnerung von Menschen, die persönlich mit Jesus gegangen waren. Die Überzeugung, dass das Thomas-Evangelium und die anderen späteren Evangelien solch eine Verbindung zu den Aposteln nicht hatten, führte dazu, dass viele Christen sie nicht als Ausdruck des Glaubens in seiner frühesten Form akzeptierten.“ Diese vier Bücher wurden (in Nizäa) folgerichtig nicht ausgewählt, sondern anerkannt.

Die Evangelien der Bibel nach Matthäus, Markus, Lukas und Johannes sind in Wirklichkeit die ältesten. Wir besitzen davon Fragmente, die auf ca. 125 (Rylands-Papyrus), 200 (Bodmer-Papyrus), 225 oder 250 (Papyrus Chester Beatty) datiert werden. Zudem sind etwa 100 Papyri erhalten geblieben, die zwischen dem 2. und 4. Jahrhundert geschrieben wurden, die meisten davon lange Zeit vor Konstantin. Mit der Bildung des Kanons des Neuen Testamentes – d.h. der von der Kirche als biblisch anerkannten christlichen Schriften – hatte Konstantin also gar nichts zu tun. Denn dieser Kanon wird schon vom „Muratorischen Fragment“ festgehalten, das ca. 180 n. Chr. verfasst wurde. Nicht nur Kirchenväter wie Papias (+ ca. 130), ein Schüler des Apostels Johannes, Justin (ca. 100 – 165) oder Irenäus (135-202) und Tertullian (155-230), sondern auch Gnostiker wie Justins Schüler Tatian, listeten die heute bekannten vier Evangelien auf. Zahlreiche Evangelienfragmente aus dem 2. und 3. Jahrhundert bezeugen, dass es zur Zeit Kaiser Konstantins keinerlei Zensur gegeben hat; die Evangelien wurden wortgetreu überliefert.

Dass – wie Brown behauptet – „Tausende" Jesu Leben aufgezeichnet haben sollen, ist „schamlose Fiktion“ (Hesemann). Auch die Zahl von „achtzig Evangelien“, die laut Brown im Unlauf gewesen seien, bis Konstantin sie aus dem Verkehr gezogen habe, ist frei erfunden. Im 2. und 3. Jahrhundert kam es bei diversen gnostischen Sekten, meist in Ägypten, in Mode, die eigenen Lehren durch frei erfundene „Evangelien“ zu „untermauern“. Diese apokryphen, d.h. nicht in die Bibel eingegangenen Evangelien sind meist eine Art religiöse Romane späteren Datums und als historische Quellen unzuverlässig. Dessen ungeachtet bestätigen auch sie die göttlichen Züge Jesu Christi, und dies oft sogar auf übertriebene Weise: Manche schildern zahlreiche angebliche Wunder Jesu bereits im Kindesalter. Trotz einzelner gültiger Elemente enthalten die Apokryphen also vor allem Erfundenes, Naives und teilweise auch Theorien nicht-christlicher Herkunft. Aus diesem Grund wurden sie schon von der frühen Kirche als nichtbiblisch verworfen.

Das von Dan Brown als Kronzeugen angeführte „Evangelium nach Philippus“ ist eigentlich eine Art Katechismus der gnostischen Valentinianer-Sekte, die sich bereits von der Kirche abgesondert hatte. Kernpunkt dieser in der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts verfassten Lehrschrift ist die Verachtung der Welt im Allgemeinen und jeglicher geschlechtlicher Vereinigung und Fortpflanzung im Besonderen. Mit Sicherheit wollte daher dieser Text nicht andeuten, dass Jesus mit Maria Magdalena ein intimes Verhältnis oder gar Kinder hatte. Dies umso weniger, als der Kuss auf den Mund in jener Kultur eine übliche Begrüßungsform und Bezeugung enger geistlicher (und nur geistlicher) Gemeinschaft war; im Philippus-„Evangelium“ kommt er immer wieder vor, auch zwischen Männern.

Wie kam es zur sogenannten Kanonbildung? Der entscheidende Ort für die Auswahl der Evangelien war die Feier der Liturgie. An ihr nahmen die Zeugen der Auferstehung und Himmelfahrt Jesu Christi. Sie hätten zu den hanebüchenen Berichten der von Brown zitierten Schriften ganz sicher nicht „Amen – so war es“ gesagt. Der Experte für Neues Testament Klaus Berger schreibt in der Einleitung zu seinem Werk „Das Neue Testament und frühchristliche Schriften“, in dem er nicht nur die kanonischen, sondern auch die apokryphen Schriften des Urchristentum veröffentlicht:

„Erstens hat die römische Kirche bei ihrer Auswahl auch im Lichte heutiger historisch-kritischer Methoden einen ‚recht guten Geschmack’ bewiesen, und aus dem, was sie zur Auswahl hatte, wenigstens im Prinzip das Älteste und Vertrauenswürdigste ausgewählt. Zweitens ist der Kanon ein sichtbares Zeichen der Einheit der Kirche (...) Schon zum Zeitpunkt der Zusammenstellung des Kanons war diese Sammlung die gemeinsame Gesprächsgrundlage, auf die sich die verschiedenen Ortskirchen verständigen konnten. (...) Die Größe Kanon besagt, dass wenigstens die in ihm versammelten Schriften authentisch auf Jesus und die Zeit der Anfänge weisen.“

Mit den meisten Bibelwissenschaftlern können wir sicher sein: „Die vier Evangelien waren – lange bevor Konstantin geboren wurde – fest etabliert.” Demgegenüber sind die von Dan Brown zur Untermauerung seiner Thesen angeführten Quellen über das Leben Jesu genauso unglaubwürdig wie Browns Sicht des Künstlers, den er im Titel seines Romans führt. Brown mag zwar ein erfolgreicher Schriftsteller sein, weil er den Nerv des Zeitgeistes trifft. Mit Fakten umgehen kann er jedoch kaum.

Literatur zu „The Da Vinci Code – Sakrileg“ von Dan Brown


1. Interview mit Bernhard Heininger: „Die Tagespost“ vom 16. Mai 2006:
http://www.die-tagespost.de/Archiv/titel_anzeige.asp?ID=23464

2. Michael Hesemann. „Leonardos Geheimnis: Die 13 Theses des Dan Brown“: „Die Tagespost“ vom 20. Mai 2006:
http://www.die-tagespost.de/Archiv/titel_anzeige.asp?ID=23568

3. Nicky Gumbel. „Das Sakrileg unter der Lupe. Antworten auf Dan Browns Theorien“. Gerth Medien 2. Auflage 2006.
http://www.gerth.de/index.html?product_code=&product_group=115&fct=catalog&vp_id=stGen

4. Darrell L. Bock. „Die Sakrileg Verschwörung. Fakten und Hintergründe zum Roman von Dan Brown“. Brunnen Verlag 2006.
http://www.brunnen-verlag.de/

5. Alexander Schick. „Das wahre Sakrileg. Die verborgenen Hintergründe des Da-Vinci-Code“. Knaur 2006.
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3426779552/qid=1148573680/sr=1-1/ref=sr_1_10_1/028-7090875-6409301
Alexander Schick unterhält eine ausführliche Homepage: www.sakrileg-betrug.de

6. Ebenso ausführlich: Die Kritik auf der Homepage der „Karl Leisner-Jugend“:
http://www.karl-leisner-jugend.de/Sakrileg.htm

7. DVD. Der Da Vinci Code entschlsselt Die Geheimnisse hinter Dan Browns Bestseller SAKRILEG". DVD, Cine PlusHE, ca. 60 Minuten plus 97 Minuten Bonusmaterial.
http://www.brunnen-verlag.de/

The Da Vinci Code / Sakrileg (Film) von Classless

Ein sehr interessanter Beitrag von Classless (Wortkritischer Kommunismus von Daniel Kulla):


The Da Vinci Code / Sakrileg (Film)

31.05.2006

Sakrileg Nr. 1 in Deutschland!

Besuchern vom Wochenende 25.05.06 - 28.05.06

29.05.2006

Da Vinci Code - Sakrileg - in den USA weiter zurückgefallen

Gemessen an den Bruttoeinnahmen der Kinokassen am Eröffnungswochenende ist Da Vinci Code-Sakrileg in den USA auf Rang 14 zurückgefallen, da „X-Men: The Last Stand“ von Fox am vergangenen Wochenende $30 Mio. mehr eingespielt hat als der Sony-Film.

Quelle: http://www.boxofficemojo.com/alltime/weekends/

Tarsuin

Cannes - Kein Preis für Sakrileg

Da Vinci Code-Sakrileg hat beim 59. Filmfestival in Cannes keinen einzigen Preis erhalten. Stattdessen sind zwei deutsche Filme ausgezeichnet worden, nämlich "Pingpong" von Matthias Luthardt sowie "Kristall" von Matthias Müller und Christoph Girardet.

Tarsuin


Die Preise der Filmfestspiele in Cannes

Goldene Palme: "The Wind That Shakes The Barley" von Ken Loach (Großbritannien)

Großer Preis des Festivals:

"Flandres" von Bruno Dumont (Frankreich)

Preis der Jury: "Red Road" von Andrea Arnold (Großbritannien)

Beste Darstellerin: Weibliches Ensemble von "Volver" mit Penélope Cruz, Carmen Maura, Lola Duenas, Blanco Portillo, Yohana Cobo, Chus Lampreave

Bester Darsteller: Männliches Ensemble von "Indigènes" mit Jamel Debbouze, Samy Nacéri, Roschdy Zem, Sami Buajila

Beste Regie: Alejandro González Inárritu für "Babel" (Mexiko)

Bestes Drehbuch: Pedro Almodovar für "Volver" (Spanien)

Caméra d'or (Goldene Kamera) für den besten Erstlingsfilm: "Was There or Was There Not" von Corneliu Porumboin (Rumänien)

Goldene Palme für den besten Kurzfilm: "Sniffer" von Bobbie Peers (Norwegen)

Besondere Erwähnung Kurzfilm: "Conte de Cartier" von Florence Miailhe (Frankreich)

Prix Un certain regard: "Luxury Car" von Wang Chao (China)

Spezialpreis Un certain regard: "Ten Canoes" von Rolf De Heer (Australien)

Großer Preis der Semaine de la critique: "Les amitiés maléfiques" von Emmanuel Bourdieu (Frankreich)

Drehbuchpreis der SACD zu gleichen Teilen an: "Pingpong" von Matthias Luthardt (Deutschland) "Les amitiés maléfiques" (Frankreich)

Großer Preis Canal + für den besten Kurzfilm Semaine de la critique: "Kristall" von Matthias Müller und Christoph Girardet (Deutschland)

Kurzfilmpreise der Sektion Cinéfondation (Kurzfilme von Studenten): 1. Preis: "Ge & Zeta" von Gustavo Riet (Argentinien) 2. Preis: "Mr. Schwartz, Mr. Hazen & Mr. Horlocker" von Stefan Müller (Deutschland, Fachhochschule Wiesbaden) 3. Preis: "Mother" von Sian Heder (USA) "A Virus" von Agnes Kocsis (Ungarn)

Preis des Internationalen Filmkritiker-Verbandes FIPRESCI: "Hamaca Paraguaya" von Paz Encina (Paraguay)

Preis der Ökumenischen Jury: "Babel" von Alejandro Gonzáles Inárritu


Quelle: DPA

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